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Artikel Der Fan 03/2009 // ATP New York 2008 14/10/2008 // The Hold Steady 01/04/2007 // Angel 3rd Season 01/04/2007 // Blumfeld 31/03/2007 // Gallon Drunk 31/03/2007 // Hot Chip 06/2006 // Victory At Sea 05/2006 // Casiotone For The Painfully Alone 02/2006 // Weezer 05/2005 |
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(Die rot
markierten Wörter anklicken, das sind Fußnoten, die dann in
einem Popup aufgehen) ANGEL, 3rd Season Nach der unentschlossenen, aber richtig okayen ersten Staffel, in der sich die Serie langsam findet, und die Figuren an ihren Platz fallen hat sie in der zweiten ein großartiges Niveau erreicht, einen tollen Rhythmus, schön ausgearbeitetes Personal und macht wirklich viel Spaß. Der Sog, der entsteht und der Drang, unbedingt die nächste Folge sehen zu wollen sind fast auf dem Level wie bei Buffy, manchmal vielleicht sogar höher, weil Angel alles in allem leichter zu verdauen ist (aber das ist natürlich eine Sache, die den Figuren eingegeben ist: mit Buffys Leben und ihrem Schmerz kann ich mich leichter identifizieren, da es am Ende des Tages viel um coming-of-age-Probleme geht und um sehr lebensnahe, wirkliche Dinge. Die Leiden und Wege eines Vampirs, der wegen eines Zigeunerfluches zu Reue, Wiedergutmachung und einer selbstauferlegten 'Kastration' verdammt ist, sind doch schon eher im Bereich des Phantastischen, Metaphorischen und Metaphysischen). Dementsprechend hohe Hoffnungen für die dritte Staffel. Ich will es kurz machen: selten zuvor habe ich mich so sehr gefühlt, als wäre das reine Zeitverschwendung. Viele Fäden werden aufgenommen und weitergeführt, dann aber fallen gelassen oder total dämlich mit Schrott verknüpft. Das Wiederauftauchen von Darla hatte zunächst seinen Zweck und spielte der Selbstfindung von Angel zu. Daß sie nun schon wieder auftaucht und auch noch schwanger ist: HUMBUG! Wir haben gelernt, daß Vampire nicht fruchtbar sind und haben diese Regel akzeptiert, so wie ihre Besiegbarkeit durch Staken, Sonnenlicht, Enthaupten (bzw. Genickbruch) oder Feuer, ihre Unempfindlichkeit gegen Kugeln, Schmerz, Verletzungen etc. und brauchen diese Regeln, um sie in der Welt von Buffy und Angel als das ernstnehmen zu können, was die in dieser Welt sind. Die Einzigartigkeit von Spike und Angel wird uns erklärt und wir können sie verstehen und als gegeben nehmen. Die Möglichkeit einer Vampirschwangerschaft durch Prophezeiung bzw. höheres Einwirken und die plötzliche Elternrolle des Pärchens bzw. wie sie damit umgehen, wiederum nicht. Nutzlos, idiotisch, albern aber unwitzig und lahm. Einen Angel, der 'dutzidutzi' in die Kamera stammelt und dabei debile Fratzen zieht, um ein Baby zu betuddeln: Bullshit. Völlige Dekonstruktion des Helden, Spaßfaktor geht stark auf den Negativbereich zu. Das Baby wird uns als Schnittstelle verkauft, als Teil einer Prophezeiung, deren Teil gleichsam Angel und sein Widersacher aus dem 17. Jahrhundert, Holtz, sind. Doch sowohl Baby wie Holtz wirken wie hastig dazugeschustert, sind uninteressante, übertriebene Figuren, die keinen Beitrag zum Gesamtgefüge leisten, es im Gegenteil sogar destabilisieren. Sich bei einem Format wie der Serie Angel andauernd zu fragen 'bitte wie?' oder 'was soll nun dies?' ist nichts Gutes, nichts der Serie zuträgliches (während es bei einem Film von David Lynch oder auch Twin Peaks gerade den Reiz ausmacht), da es hier u.a. um Konstanten geht – so wie die auf einmal ausgehebelten Vampirregeln: ein ganzer Kosmos wird unglaubwürdig und albern, wenn er keinem System mehr unterliegt. Alle theoretische Betrachtung beiseite ist Holtz eine langweilige Figur, ein müder Strang. Seine Motivation ist langweilig bzw. kann ich direkt sagen: er ist unmotiviert und stapft albern ernsthaft durch eine Welt, in der er nichts zu suchen hat. Seine Allianz mit der Justine ist dann der Gipfel der Sinnlosigkeit: eine durch und durch unsympathische Gestalt, an der wohl am unsympathischsten ist, daß sie schlecht gecastet wurde. Selten zuvor hat der bloße Anblick einer Schauspielerin eine vergleichbare Unlust in mir geweckt, mich auf sie einzulassen und mit ihr durch ihre Rolle zu wandern. Die soll böse sein? Entschlossen, verrucht, sexy, getrieben, hin- und hergerissen, geplagt oder überhaupt irgendwas? Und das in einer Serie, in der wir gelernt haben, Frauen ernstzunehmen, die auf dem Niveau und mit der Zielstrebigkeit (und dem Humor) von Darla, Drusilla oder Cordelia ihr Werk verrichten? Justine ist gar nichts. Ist Mist. Aber dieses Abdriften hat sich schon angekündigt, als 'Fred' auf der Bildfläche erschien und ebenfalls von Anfang an bloßer Filler war. Zu rein gar nichts zu gebrauchen und ohne Funktion. Aufgesetztes verkichertes Gefasel, das ihr einen Touch von Nerdigkeit, vielleicht sogar einen Anflug von unberechenbarer Genialität und Zerbrechlichkeit geben soll. Die Folge, in der ihre Eltern auftauchen und die Figur irgendwie verorten, ihr eine Herkunft und Geschichte (und Gegenwart) und weitere Richtung geben sollen ist eine der schlechtesten Folgen. (Ich nahm sogar an, es sei die schlechteste Folge überhaupt, aber ich hatte meine Rechnung ohne das Finale der Staffel gemacht, dazu in wenigen Augenblicken mehr.) Die Figur Charles Gunn wird irgendwo auf halber Strecke vergessen: sein Abwägen zwischen alten und neuen Loyalitäten bzw. sein Dilemma beide unter einen Hut zu bringen, sein Antrieb, sich auf die 'Seite des Guten' gestellt zu haben – all das wird unter den Teppich gekehrt und die Figur abgebremst in einen Zustand der unreflektierten Freude an und stetigen Bereitschaft zu stumpfer Gewalt und der ebenso stumpfen Beziehung zu Fred, die der Serie ebenfalls rein gar nichts hinzufügt außer vielleicht einem soften Twist in der Figur Wesley. Wesley und Lorne sind die einzigen Figuren, an denen ich nichts auszusetzen habe in der dritten Staffel. Lorne wird evtl. ein bisschen zu sehr als ausschließlicher gagliefernder Sidekick und klassischer Hausgast in Serien behandelt , aber die Figur ist nach wie vor interessant angelegt und macht Spaß. Daß sein Hedonismus und seine Flamboyanz, sein künstlerisches Wesen nur bei einem grünhäutigen Dämonen Platz findet und nicht bei einer Menschenfigur, ist nichts, was ich störend finde und interpretieren und überhöhen müsste. Wesleys Dilemma ist so lustlos wie die Animation des Orakels, das ihm als riesiger Hamburger erscheint: ok; wir haben verstanden und wir wissen, wo es ihn hinführen wird. Immerhin ist er neben Lorne die einzige Figur, deren Integrität nicht zerhauen wird, also halten wir uns auch nicht weiter damit auf. Bei der Vorstellung, mich an die nächste Staffel zu wagen, ist er die einzige Figur, auf die ich mich im Moment freue und die ein paar interessante Freiräume offenläßt, in die sie sich entwickeln kann. Was Cordelia in der Staffel sein soll ist ebenfalls nicht ganz klar. Die Thematisierung der Visionen, die zu ihrem demonic part führen (der ihr eine Art Strahlung verleiht), sind so richtungslos und überkandidelt wie das Meiste andere in der dritten Staffel eben auch. Das Comeback des Groosalugg als weiteren Hausgast ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit meiner Hausgast-Theorie. Als eine Art Steinzeit Junior / Crocodile Dundee-Figur darf er mit großen ungläubigen Augen, aber der tiefen Einsicht, zu der in Film und Fernsehen oft nur ein Simpel fähig ist (ich vermute, da ein Simpel dort zwangsläufig immer 'mit dem Herzen sieht'), das Treiben betrachten und kommentieren. Immerhin liefert er ein paar wirklich schöne Momente, etwa den, in dem er von Cordelia frisiert und gekleidet wird wie Angel. Daß Cordelia innerhalb eines Serienkosmos, der sich völlig uferlos verloren hat, ebenfalls ohne Halt ist, lässt sich für mich schon an ihrer Frisur ablesen: eine Figur, deren Vielschichtigkeit durchaus auch aus ihrer Eitelkeit und aufreizenden Schönheit gespeist wird, ist plötzlich frisiert wie eine Mutter inklusive Strähnchen Typ Dorffriseur. Ihre Reise mit Groosalugg und ihr Finale legen nahe: Charisma Carpenter verließ die Serie und so wurde ihr Ausscheiden dann ausgearbeitet (genau werde ich dies erst wissen, wenn ich die nächste Staffel beginne). Angesprochenes Finale für Cordelia: in einer ewig anhaltenden Sequenz entschwebt sie (statt Angel endlich zum Rendezvous zu treffen – yeah right) in einem weißen Kleid zum Himmel. Auch hier merke ich an: Bullshit. Ein so archetypisches Entschweben ist selbst dann albern, wenn wir seine Wurzeln nicht bis zum Herrn Jesus zurückverfolgen wollen. Es steht für eine Art von Metaphysik, für eine Art der Transzendenz, die in dem Wertesystem, das die Welt von Buffy und Angel in einen Rahmen fasst, einfach keinen Sinn macht, für einen kindischen Begriff von Himmel und Hölle, den wir im Verlauf der (beiden) Serie(n) bereits viel weiter ausdifferenziert bekommen haben. Teil dieses Good&Evil-Wechselspiels waren bislang Wolfram & Hart. In den ersten beiden Staffeln haben wir gelernt, daß ALLES in der Welt von Macht, Politik, Geld, Gesetz, Polizei etc. mit dämonischen Mächten zusammenarbeitet. Die Idee, daß die kapitalistische Weltordnung mit all ihren Nuancen, die sie uns vorgaukelt (als gut gibt sie aus: Politiker, Polizei, Gewinnmaximierung etc., als schlecht z.B. organisiertes Verbrechen) nicht zwei Seiten einer Medaille sondern dieselbe Seite sind und diese Seite stets im Bunde mit dem Bösen steht, gefällt mir sehr. Ich finde sie gut und witzig und eine Vereinfachung, die ich mag und die wiederum ein Funktionsprinzip der Welt in Angel ist - wie die Vampirgesetzmäßigkeiten, deren Verfall ich hier so oft und schwer beklage. Und leider muß ich meine Beschwerde auch auf das Konstrukt 'Wolfram & Hart' ausweiten. Die dunkle Bedrohung, die Übermacht, das kalkulierte Böse, als das wir die Kanzlei zwei Staffeln lang lernten zu begreifen ist nun aufgelöst in Anwälte, die sich kindisch Büro-mäßig anzicken, einen ohnmächtigen Chef, der so schwach ist, daß er mir nichts, dir nichts von Angel entführt werden kann. Lila, Gavin und die ganze Firma werden als ernstzunehmender, metaphysischer Gegenspieler entzaubert, als das Gegenstück zum First Evil bei Buffy, dem Ur-Bösen, als das wir sie am Ende der zweiten Staffel überrascht begriffen, als uns klar wurde, daß sie seit Urzeiten und dimensionsübergreifend existieren. Das ist schade und uninteressant. Doch nichts ist so uninteressant wie das blöde Baby. Holtz wird es in eine andere Dimension entführen, aus der es nach ein paar Tagen als Teenager zurückkehrt, um einen verwirrten Rachefeldzug zu starten, der mit gutem Willen als Metapher für Adoleszenz gedeutet werden kann. Mit einem ähnlichen (aber gänzlich humorfreien) Steinzeit Junior-Appeal wie Groo turnt der Knabe nun im Neandertaler (na gut, Bronzezeit)-Look durch Los Angeles und wird letzten Endes durch einen Trick von Holtz und Justine dazu getrieben, mit Angel abzurechnen und seinen Vater als Finale der Staffel in einem gläsernen Sarg eingesperrt auf den Meersgrund versenken. Ein letztes Mal frage ich nach der Gültigkeit der Gesetze, von denen wir gelernt haben, daß Vampire ihnen unterliegen: einerseits leben sie ewig, aber dann sind sie doch durchaus den menschlichen Körpern unterworfen, in die sie sich einnisten: sie müssen sich ernähren, schlafen etc – die Rechnung, daß Angel nun auf alle Ewigkeit auf dem Meeresgrund liegt und sich alles ansieht und dabei traurig dreinblickt, geht doch nicht komplett auf, oder? Die letzten drei Folgen waren so schwer zu ertragen, langatmig und albern aufgeblasen, daß ich vieles davon einfach vorspulte und mir aus den schnellen Bildern einen Reim machte. Justines blödes Gesicht und der affige Teenager oder Cordelias Himmelfahrt machten mir einfach keinen Spaß mehr. Nach angestrengten Überlegungen, die Serie abzubrechen, wurde mir nun empfohlen, durchzuhalten und quasi versprochen, daß die Durststrecke sich ab der nächsten Staffel verliefe. Ich nehme die Herausforderung an. Björn Sonnenberg, 1.4.2007 |
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